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Nuwara Eliya

08.03.2006
Die Stadt Nuwara Eliya („über den Wolken“) besitzt mehr einen britischen als einen ceylonesischen Charakter. Mit 1900 m ist Nuwara Eliya die höchstgelegene Stadt Sri Lankas. Sie war zu Kolonialzeiten Kurort und Sanatorium für die britischen Kolonialherren. Man errichtete hier im viktorianischen Stil Häuser, zahlreiche Park- und Rasenflächen sowie einen malerisch gelegenen Golfplatz, einen „englischen“ Ort in Sri Lanka.

Nuwara Eliya, liegt in einer Mulde mitten im Uva-Bergland, die von den drei höchsten Bergen Sri Lankas gebildet wird. Wegen ihres gemäßigten Klimas ist die höchst gelegene Stadt Sri Lankas ein beliebter Zufluchtsort für Menschen aus dem feucht schwülen Südwesten, besonders während der heißen Jahreszeit. Die Temperaturen übersteigen nur selten 25 Grad Celsius und die Luft ist frisch und trocken.

Die Stadt trägt eindeutig die Handschrift der Engländer, die Häuser und Gartenanlagen nach Ihren Vorstellungen formten: Parks mit weiten Rasenflächen, Golfplätze und Villen im Landhausstil, in denen früher zumeist englische Teeplantagenbesitzer wohnten. Teeplantagen bestimmen auch heute noch das Bild der phantastischen Berglandschaft ringsum. In der Stadt haben sich englisches Flair und die Atmosphäre eines Kurorts in den Bergen erhalten.

Beachtenswert sind das Postamt mit einem hübschen Uhrturm, die anglikanische Holy Trinity Church und das Kriegerdenkmal.

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Der Victoria Park mit seinen weiten Rasenflächen und Schatten spendenden Bäumen, dem Fluss Nanu Oya und mehreren idyllisch gelegenen Teichen lädt zum Spaziergang ein. Hier gibt es auch deutsche Blumen, für die der Gärtner Tony zuständig ist. Über den mitgebrachten Samen wird er sich wohl freuen.

Auch die Umgebung des Ortes, das „Hill Country“, bietet mit seinen angenehmen klimatischen Verhältnissen und seinen Naturschönheiten wie zum Beispiel zahlreichen Wasserfällen ideale Exkursionsmöglichkeiten. Ein beeindruckendes Beispiel hierfür ist der auf einem Hochplateau in über 2.000 m Höhe gelegene Horton Plains National Park. Auf einer ca. 4,5 stündigen Wanderung können wir hier den gespenstisch wirkenden Nebelwald erkunden und vom Aussichtspunkt „World’s End“ eine spektakuläre Aussicht in das mehr als 1.000 m senkrecht abfallende Tal genießen.

Horton Plains und Nebelwald
Eine Wanderung durch die Horton Plains zählt zu den beeindruckendsten Erlebnissen, die einem Naturfreund auf Sri Lanka geboten werden können. Eine solche Wanderung sollte man früh am Morgen beginnen, wenn sich noch reizvolle Aussichten über eine urwüchsige Landschaft bieten, schon gegen 11 Uhr vormittags gibt es - besonders am World’s End - oft dichte Nebelschwaden. Die Tierwelt allerdings ist in dieser Höhe nicht gerade vielfältig, am ehesten gibt es noch verschiedene Vogelarten.

Die Horton Plains werden von einem gut ausgeschilderten Netz an Wanderwegen durchzogen, die nicht verlassen werden dürfen (gutes Schuhwerk sollte selbstverständlich sein, Rutschgefahr!). Zur Anfahrt sollte man auf ein geländegängiges Fahrzeug zurückgreifen, wie sie in den umliegenden Orten allenthalben angeboten werden.

Die nördliche Begrenzung der Horton Plains bildet der Totapola, mit 2359 m der drittgrößte Berg auf Sri Lanka (eine Besteigung dauerte ca. 2 Stunden).

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World’s End
Ein Spaziergang durch das gewellte Grasland und durch Gebiete mit subtropischer Vegetation führt zu zwei Aussichtspunkten, die Little World’s End und Big World’s End genannt werden. Am ersteren fällt die Felswand über eine Höhe von fast 600 Metern steil in die Tiefe ab, am zweiten sind es immerhin noch 1000 Meter.

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Mittags geht es auf den Fleece-Markt. Dort werden einige Mitbringsel für unsere Lieben in Deutschland gekauft. Am frühen Abend gehen wir wieder zum Inder, da wir in der Nacht den Aufstieg zum Adam’s Peak versuchen wollen. Diese Möglichkeit besteht allerdings nur in der Trockenzeit.

Um 24.00 Uhr werden wir am Hotel abgeholt. Nach ca. 2 Std. Fahrt im Minivan erreichen wir unser Ziel am Fuße des Adam’s Peak und beginnen mit dem Aufstieg.

Obwohl der Adam`s Peak nur der viert- oder fünfthöchste Berg Sri Lankas ist, gilt er als die bedeutendste Erhebung der Insel. Für Hindus, Buddhisten und Moslems sowie für den christlichen Teil der Bevölkerung ist er das Pilgerziel schlechthin, für Naturfreunde ist der Sonnenaufgang, den man auf seinen Gipfel erleben kann, ein unvergessliches Erlebnis. Unvergleichlich ist auch die Lage am südwestlichen Fuß des Zentralen Hochlandes mit einer grandiosen Berglandschaft.

Von den zwei Wegen, die auf den Adam`s Peak führen, führt der eine – längere - von Süden aus Richtung Dalhousie auf den Berg. Der andere beginnt an der Nordseite des Berges bei Maskeliya.

Der Aufstieg über rund 6,5 km, bei dem mehrere 1000 Stufen (ca. 4500) zu überwinden sind, ist beschwerlich, besonders in der heißen bzw. tropisch-feuchten Jahreszeit bedarf es einer guten Kondition. Personen mit angegriffener Gesundheit sei von der Strapaze abgeraten. Eine gute Ausrüstung (festes Schuhwerk, Wasser und Jacke) sind unbedingt empfehlenswert, bei gemächlichem Marsch sollte man etwa drei bis vier Stunden einplanen. Besonders der obere Teil des Weges verläuft sehr steil und zehrt an den Kräften. Der Weg ist beleuchtet und von Zeit zu Zeit gibt es Buden, die Tee, andere Stärkungen und sonstige Ware anbieten. Es ertönt oft laute Musik aus den Buden und die angepriesene Ware, wie Plastikblumen usw. entspricht nicht ganz unserem Geschmack.

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Nach ca. 3,5 Std. sind wir oben und haben den höchsten Punkt 2.243 m erreicht. Welch ein Triumph. Wetterleuchten ist zu sehen, alle warten auf den Sonnenaufgang. Ganz langsam wir es heller, um 06.48 Uhr ist es dann soweit. Oooohhhhh. Absolut empfehlenswert ist es Kleidung zum wechseln mitzunehmen. Da hier oben die Temperaturen nur knapp über 0 °C sind spürt man durchgeschwitzte Kleidung eiskalt auf der Haut. Die Befürchtung eine Erkältung davon zu tragen, bewahrheitete sich nicht.

Die meisten Pilger wandern nun wieder abwärts. Wir wollen ihn sehen, den pyramidenähnlichen Schatten des Berggipfels auf den im Westen befindlichen Nebelbänken. Mit aufsteigender Sonne ist der Schatten auf einmal da und wandert über die sich unten ausbreitende Landschaft. Nochmal: Tooollll.

Der dicht bebaute Gipfel bildet eine etwa 300 Quadratmeter große Plattform, auf der sich in einem kleinen überdachten Tempel die ummauerte Fußspur - offenbar die eines linken Fußes - befindet. Im 12. Jahrhundert ließ König Parakrama Bahu I. auf dem Gipfel des Adam’s Peak einen ersten, dem Hindugott Saman geweihten Tempel errichten. Später zogen buddhistische Mönche in den Tempel ein, bis der zum Brahmanismus übergetretene König Raja Sinha I. ihn im 16. Jahrhundert wieder den Brahmanen übergab. Erst unter König Kirti Sri, der den Buddhismus auf Sri Lanka wieder in Erinnerung brachte, wurde er zwei Jahrhunderte später von buddhistischen Mönchen bewohnt. Die brahmanischen Priester wurden jedoch nicht vertrieben, sie bauten einen kleineren Tempel, der heute noch erhalten ist. Die weiteren Gebäude sind nicht besonders bemerkenswert, sie stammen alle aus neuerer Zeit.

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Die Glocken, die man nach dem Erreichen des Gipfelplateaus anschlagen kann, haben für die Pilger eine tiefe symbolische Bedeutung: Wer den Adam’s Peak zum ersten Mal besteigt, darf eine von ihnen einmal anschlagen, beim zweiten Besuch zweimal und bei jedem weiteren einmal mehr. Nach dem Sonnenaufgang, den die Gläubigen mit großem Jubel feiern, bietet sich bei einigermaßen klarem Wetter vom Gipfel ein herrlicher Rundblick in westlicher Richtung über das Hochland hinweg bis nach Colombo und zur Südwestküste der Insel.

Seinen heute gültigen Namen trägt der Berg vermutlich aufgrund einer historischen Überlieferung, die dem arabischen Weltreisenden Ibn Battuta zugeschrieben wird. In einem seiner zahlreichen Reiseberichte beschreibt er einen heiligen Berg namens Al Rohun, auf dem Adam nach seiner Vertreibung aus dem Paradies erstmals seinen Fuß auf die Erde gesetzt und nicht weniger als 1000 Jahre sein Schicksal beweint haben soll. Auch in den Reiseberichten Marco Polos, der Sri Lanka im 13. Jahrhundert bereist hat, findet sich eine Stelle, in der er auf dem Berg Adams Grab vermutete. Wenn sich diese Überlieferung in erster Linie die Moslems zu eigen gemacht haben, so bezieht auch ein Teil der auf Sri Lanka lebenden Christen seinen Glauben an die Bedeutung des Berges aus dieser Historie. Andere wiederum nehmen an, dass der heiligen Thomas, ein Jünger Jesu, während seiner Missionsreisen durch den indischen und den persischen Raum den Berg bestiegen und auf dem Gipfel eine Fußspur hinterlassen hat.

Nach einer weiteren moslemischen Überlieferung ließ Gott Adam und Eva nach der Vertreibung aus dem Paradies aus Mitleid auf dem Adams´s Peak leben, da Sri Lanka der Platz auf Erden war, der dem Paradies am nächsten kam! Der Fußabdruck entstand demnach dadurch, dass Adam zur Strafe auf einem einzigen Bein stehen musste, was so einen tiefen Abdruck hinterließ.

Buddhisten wie Hinduisten betrachten den Adam’s Peak als heilige Stätte, als Berg des Gottes Saman, eine der vier Wächtergottheiten. Doch den Buddhisten ist vor allem der Fußabdruck Buddhas heilig, eine 1,60 m lange und 75 cm breite Vertiefung, die der Erleuchtete bei einen seiner drei Besuche auf Sri Lanka hinterlassen haben soll. Auch die Hinduisten betrachten diese Vertiefung als heilig, sie sehen in ihr eine Fußspur des Gottes Shiva. Letztendlich lassen aber auch sie die buddhistische Interpretation gelten, denn Buddha ist ihrer Auffassung zufolge eine Reinkarnation des Gottes Shiva.

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Nach 3 Stunden sind wir wieder unten am Ausgangspunkt unseres Aufstiegs. Erschöpft, fertig, aber froh: wir haben es geschafft und es war eine wundervolle Erfahrung.

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