Kandy

06.03.2006
Da uns dieser Tag zur freien Verfügung steht, machen wir unsere Tour durch Kandy.
Zuerst feiern wir aber mit Uschi ihren Geburtstag.



See von Kandy
Er ist eigentlich ein Produkt des Zufalls. 1801 gab Sri Vikrama Rajasimha den Befehl, ihm einen Weg vom Palast über die morastigen Reisfelder zum Malwatte Vihara anzulegen. Die Ingenieure bauten ihm einen derart massiven Damm, dass sich in östlicher Richtung ein kleiner See bildete. Der König nannte ihn Kiri Mahuda (Milchmeer) und wünschte eine Vergrößerung. Zu diesem Zweck wurde der heutige Damm im Westen gebaut. Als 1812 die Arbeiten beendet waren, riss man den ersten Damm bis auf ein kleines Stück ab, das noch heute als Inselchen aus dem Wasser ragt. Die Briten errichteten darauf ein Pulvermagazin, von dem noch ein Torbogen als einziges Überbleibsel erhalten ist.

Im Central Market machen wir erst die Runde, handeln, um dann zum günstigsten Stand zurück, nochmals zu prüfen und handeln. Es gibt tatsächlich Gewürze mit deutschen Bezeichnungen und toller Beratung.


   
 
   

Natürlich besuchen wir auch den Zahntempel Galada Maligawa.

Zahntempel Galada Maligawa (Tempel des Heiligen Zahnes)
geöffnet von 6.30-7.30, 9.30-10.30 und 18.30-19.30 Uhr mit Pujas (Eintritt 5 USD inkl. elektronischem Guide in mehreren Sprachen)

Vor den Zugängen zu Tempeln warten stets freundliche Menschen, die sich erbieten, auf die vor dem Betreten des Tempelgebäudes abzulegenden Schuhe aufzupassen. Es sind in der Regel keine Bettler, weshalb man ihnen durchaus ein paar Münzen geben kann.

Der „Tempel des heiligen Zahnes“ steht innerhalb des ehemaligen Palastbezirkes. Von den frühesten Bauwerken für die heilige Reliquie ist nichts mehr zu sehen. Der älteste Teil ist innere Bau, der aus der Regierungszeit von König Kirti Sri Raja Sinha (1747 bis 1778) stammt. Sein heutiges Gesicht erhielt der gesamte Komplex um 1803 unter dem letzten König von Kandy, der den Wassergraben anlegen und, unter Verwendung europäischer Bauformen, den massiven Eingangspavillon, die schmuckvollen Außenmauern und den das architektonische Bild bestimmenden oktogonalen Vorbau mit Umgang erbauen ließ.


 
   

Man betritt den Tempelbezirk vom Palace Square aus, nachdem man - seit dem weltweit verurteilten Bombenanschlag - gleich mehrere gründliche Sicherheitsvorkehrungen passiert hat.

Bemerkenswert ist zunächst die fünfstufige Treppe, die von zwei in den die Außenmauer eingelassenen Elefantenreliefs flankiert wird. Sie stammen aus dem Palast des Königs Sri Vira Marendra Sinha (1707-1739) in Kundalase und zeigen in ihrem Ausdruck und dem reichen Dekor den typischen Skulpturenstil der Kandy-Zeit. Die beiden Ziersäulen über den Reliefs sind Geschenke aus Burma. Der halbrunde, reich ornamentierte Mondstein ist eine gute Steinmetzarbeit, reicht jedoch nicht an die Qualität an jenen Mondstein heran, wie er in Anuradhapura zu finden ist.

Ein anderer Mondstein folgt nur scheinbar den Vorbildern, so wenden sich z. B. die Löwen und Wildgänse nicht dem Mittelpunkt, dem Lotus sondern dem sich nähernden Besucher zu.

Im Wassergraben, den man auf einer Steinbrücke überquert, leben Schildkröten, die als heilig gelten. Ein Relief gegenüber dem Tempeltor zeigt die Göttin Lakshmi mit zwei Elefanten. Beachtung verdienen auch einige reich mit skulptierten Reliefs geschmückte Tore und Türstürze im unteren Geschoss. Sie zeigen weibliche und männliche Wächterfiguren, einen Makara-Bogen, das von Buddha in Bewegung gesetzte Rad der Lehre, Löwen, Lotusblüten und vieles mehr.

Im Innenhof steht das eigentliche Heiligtum, gleichzeitig der älteste Teil des Tempels. Es ist ein zweistöckiges, reich verziertes Gebäude, das ausschließlich aus Holz errichtet wurde. Holzsäulen und Gebälk sind mit außerordentlichen schönen Schnitzereien versehen.


 
   

Über eine Treppe erreicht man nun das Obergeschoss, von dem aus ein Gang zu einer mit kostbaren Perlmutt- und Elfenbeinintarsien verzierten, silber beschlagenen Tür führt. Dahinter befindet sich das Allerheiligste, die Zahnreliquie. Das Reliquiar besteht aus sieben jeweils ineinander passenden, dagobaförmigen goldenen Behältern, die mit Perlen und Edelsteinen besetzt sind.

Der wertvollste, letzte Behälter ist aus Elfenbein gefertigt und birgt die verehrte Reliquie, den heiligen Zahn von 5 cm Länge und 1,5 cm im Durchmesser. Er wird allerdings nur bei einer besonderen Feierlichkeiten gezeigt, die alle vier Jahre stattfindet.

Außer der Originalreliquie, die auf einer goldenen Lotusblüten ruht, ist dessen Kopie zu sehen, die alljährlich bei der Esala Perahera, der feierlichen Prozession durch Kandy, mitgeführt wird. Wir haben weder den Originalzahn noch die Kopie sehen können bzw. gesehen. Die sieben Behälter sind verschließbar, die Schlüssel dazu besitzen der Oberpriester des Malwatte- und des Asgiriya-Klosters, die auch im Wechsel die religiösen Zeremonien im Tempel abhalten.

Die Gläubigen legen ihre Gaben - meistens Lotusblüten sowie entzündete Räucherstäbchen - auf einen Tisch vor der Eingangstüre oder im Vorraum des Heiligtums ab.

Der Weg zum Oktogon führt an einem Raum mit mehreren Buddhastatuen vorbei. Durch eine Falltür konnte der König einen Tunnel erreichen, der direkt zu seinem Lustschloss auf der kleinen Insel im Kandy-See führte.

Die dreistöckige Predigthalle, ein eindrucksvolles, mit Skulpturen reich geschmücktes Bauwerk, das auch als Wohngebäude für die Mönche diente, schließt den Tempelbezirk nach Osten hin ab.

Im zweiten Stockwerk ist ein kleines Museum eingerichtet, das u. a. ein Holzmodell des Zahntempels und eine Nachbildung des Fußabdrucks von Buddha auf dem Adam’s Peak enthält. Auch ein bemalter Menschenelefant ziert die Decke des Zahntempels.

Östlich davon steht auf einem gestuften Unterbau die ehemalige Audienzhalle der Könige von Kandy. Sehenswert sind die kunstvollen Schnitzereien an Säulen und Gebälk, die erst 1882 unter britischer Herrschaft fertig gestellt wurden. Heute tagt hier der Oberste Gerichtshof.

Im Norden schließt sich an den Tempelbezirk die Säulenhalle an, die 1803 erbaut wurde. Das Gebälk ist verschwenderisch mit Schnitzereien, vor allem Blütenmotiven, verziert.

Weiter nördlich sind die Überreste des alten Königspalastes zu sehen, heute wird es als archäologisches Museum genutzt.

Anschließend bummeln wir noch etwas durch Kandy und fahren anschließend mit dem „Three Wheeler“ zum Hotel. Dort genießen wir mal wieder eine gute Massage und sind auf den Abend gespannt.

Heute wollen wir uns die Kandytänze, vorgeführt von „Traditional Kandyan & Low Country Dances of Sri Lanka“ in der Kandyan Arts Association Hall mit Nationalhymne und anschließendem Feuerlauf ansehen.

Der Ursprung des Feuerlaufes geht auf die Sage von Rama und Sita zurück. Ravana, der König von Ceylon, hatte Sita, eine indische Prinzessin, entführt. Nachdem Rama sie zurückgeholt hatte, bewies sie ihre Keuschheit dadurch, dass sie barfuß über glühende Kohlen lief - unverletzt.

Jetzt sind es Männer, die als sog. Feuerläufer vor dem Feuerlauf den göttlichen Segen von Kataragama und der Göttin Pattini erbeten.


 
   

Sri Lankas Tänze haben ihre Wurzeln in vorbuddhistischer Zeit. Der Buddhismus hält die Menschen an, durch eigenes Bemühen Erlösung vom irdischen Dasein zu erlangen. Dabei kann keiner auf die Hilfe von Göttern zählen. Schon daran wird deutlich, dass Rituale, die Dämonen austreiben, Götter beschwichtigen und Schutzgötter um Hilfe angehen, in einem Volksglauben wurzeln, der bis heute lebendig geblieben ist.

Wie sehr Sri Lanka diese Traditionen pflegt, wird besonders deutlich an den Lehrplänen in Schulen und Studienangeboten der Unis, durch die der Staat dieses kulturelle Erbe aufrechterhalten will. Das war nicht immer so. Die westlichen Leitbilder der Kolonialzeit hatten vieles überdeckt. Sich mit den einheimischen Tänzen zu befassen war bis in die siebziger Jahre weder modern noch prestigeträchtig. Durch Pflichtstunden in den Schulen, eigene Fakultäten, mehr als 300 Außenstellen des Kultusministeriums in den Dörfern erfährt die traditionelle Tanz-, Musik- und Theaterkunst heute wieder Anerkennung und Erfolg. Es ist ein Stück kultureller Identität, das wiederbelebt wurde, und das nicht nur im eigenen Land, sondern auch durch erfolgreiche Tourneen. Natürlich ist nicht zu übersehen, wie sehr die Tänze zur Unterhaltung kommerzialisiert wurden, auch um sie Touristen vorzuführen.

Grundsätzlich sind 2 Tanzarten zu unterscheiden: die Kandy-Tänze und die Tiefland-Tänze im Südwesten Sri Lankas. Die Kandy-Tänze erfordern mehr Geschicklichkeit, die Tänzer tragen oft reich verzierte Kostüme. Die Tiefland-Tänze legen mehr Wert auf Pantomime, was durch den Gebrauch von Masken unterschieden wird. Neben diesen gibt es noch die Weddha-Tänze und das tamilische Erntespiel Sokari.

Die Kandy-Tänze haben sich im Laufe der Zeit durch höfische Prachtentfaltung verfeinert und zeigen viele Gemeinsamkeiten mit südindischen Tänzen, sowohl in der Tanzart als auch in den verwendeten Instrumenten.
Sie haben ihren Ursprung im Kult um den Gott Kohomba, zu dessen Beschwichtigung früher nächtelange Opferzeremonien durchgeführt wurden.

Vier Typen sind bekannt: Vesnetuma, Nayadi, Udekki und Pantheruwa. Aus diesen religiösen Tänzen entwickelten sich die weltlicheren Vannama-Tänze, die nicht weniger als 18 Arten umfassen; jede ahmt die Bewegungen eines Tieres nach.

Danach führt uns unser Weg in ein chinesisches Restaurant, wo wir während des Essens auf die beleuchtete Stadt blicken.


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